Mageshwaris Solar Business

Ihre Solarlampen erleuchten auch dunkelste Nächte.

Mageshwari lebt mit ihrem Mann in der Nähe der ehemaligen ‚Kola-Gold-Field-Minen‘, rund 100 Kilometer von Bangalore entfernt. Bis zum Jahr 2001 waren die ‚KGF‘ der Hauptarbeitgeber in der Region, doch dies änderte sich mit der Schließung der Minen im selben Jahr. Die dort beschäftigten Männer waren gezwungen, sich auf die Suche nach neuen Arbeitgebern zu machen. Viele pendeln nun  jeden Tag 2,5 Stunden nach Bangalore, um dort als Sicherheitspersonal, Maler oder Bauarbeiter zu arbeiten. Diejenigen, die nicht so lange Strecken zurücklegen können, bleiben arbeitslos.

Neben Wasserknappheit leiden die Bewohner von ‚KGF‘ insbesondere an einer nicht regelmäßigen Versorgung mit Elektrizität. Um abends genügend Licht für die Schularbeiten oder zum Kochen zu haben, werden oftmals Kerosinlampen verwendet. Die erzeugen allerdings eine Menge unangenehmen Geruch und halten nicht lange.

Doch dies sollte sich nun ändern. Ein Jahr lang baute ihr Mann bereits in kleinen Mengen Solarlampen zusammen, als Mageshwari sich entschloss, ihre 12-jährige Schulausbildung zu nutzen und selbst zu lernen, wie man die Lampen zusammen baut. Das funktionierte gut und die Nachfrage stieg, doch zunächst betrieb sie ihr Geschäft weiter auf kleinem Niveau. Da sie die Teile meistens einzeln kaufen musste, waren die Preise vergleichsweise hoch. Deswegen war es nicht möglich, die Produktion zu steigern. Dies änderte sich, als sie ein Investment von ‚Be!Fund‘ bekam. Nun brachte Mageshwari Licht in die Häuser ihrer Gemeinschaft und schuf Arbeitsplätze für Frauen, die nicht den Weg nach Bangalore zum Arbeiten auf sich nehmen konnten.

Mageshwari ist eine Erfinderin – ihre Produkte entwickelt sie ständig weiter. Sie begann ihr Unternehmen mit Solarlampen, mittlerweile baut sie auch Schreibtischlampen, die es zum Beispiel den Kindern erlauben, auch nach Einbbruch der Dunkelheit zu lernen. Mithilfe von Solar-Energie hat Mageshwaris Unternehmen Licht in mehr als 100 Wohnungen gebracht. Und obwohl ihre Gemeinde weiter unter den ständigen Stromausfällen leidet, können nun mehr als 750 Kinder in fünf Lernzentren der Kolar-Gold-Fields-Dörfer auch abends lernen. Dies wurde durch 60 von Mageshwaris Solarlampen ermöglicht. Sie hat Arbeitsplätze für zwei Frauen geschaffen, sie hat sie ausgebildet, um selbständig Solarlampen herzustellen.

Mageshwaris ursprüngliche Geschäftsidee war es, die Lampen zu einem Preis von 8500 INR (umgerechnet rund 110,50 EUR) zu verkaufen. Allerdings musste sie schon nach kurzer Zeit feststellen, dass nur wenige Mitglieder ihrer Gemeinschaft sich das Produkt – selbst wenn sie eine Ratenzahlung vereinbart hatte, zu diesem Preis leisten konnten. Der Markt forderte eine kleinere Lampe und das zu einem günstigeren Preis. Mageshwari erkannte diesen Bedarf und begann unmittelbar an einer neuen Produktreihe zu arbeiten, die es fortan einer großen Anzahl von Kunden ermöglichte, sich eine Lampe zu leisten und so keinen Kunden ausschloss.

In der Zwischenzeit wurde bei Mageshwaris Schwiegervater eine chronische Erkrankung des Herzens festgestellt und weil Mageshwari die ältere der Schwiegertöchter ist, blieb es an ihr, sich um die Pflege ihres Schwiegervaters kümmern. So verlangt es die Tradition. Und obwohl Mageshwaris Mitarbeiterinnen gut ausgebildet sind, ist sie aufs Erste gezwungen, ihre Produktion bis auf Weiteres zu drosseln.