Archanas Areca-Teller-Business

Die Frau, die es schaffte, ihr ganzes Dorf anzuheuern.

Archana ist 30 Jahre alt. Sie lebt in einem Dorf im indischen Bundesstaat Karnataka. Die meisten Menschen in ihrem Dorf sind Farmer und sie verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Anbau von Areca-Palmen und deren Nüssen. Die Frauen der Umgebung arbeiten in diesen landwirtschaftlichen Betrieben in der Regel als Tagelöhnerinnen. Und daran gibt es mehr als nur einen großen Haken: Der Anbau der Areca-Palme ist ein saisonal bedingtes Geschäft und so kam es, dass die Frauen häufiger nicht mehr als ein halbes Jahr beschäftigt werden konnten. Hinzu kam, dass sich ihr Verdienst auf 50 Rupees weniger belief als der der Männer im direkten Vergleich.

All dies störte Archana gewaltig. Anstatt sich jedoch darüber zu ärgern und zu resignieren, ist in ihr ein Wunsch gewachsen. Es war der Wunsch, etwas an dieser Situation zu ändern. Einen Weg zu finden, zum einen die Frauen das ganze Jahr hindurch beschäftigen zu können. Zum anderen zu einem fairen Lohn, der dem der Männer entsprach. Aus ihrem Traum entwickelte Archana eine geniale Idee: Anstatt nur die Nuss der Areca-Palme zur Weiterverarbeitung zu nutzen, hat sie sich gedacht, wieso nicht auch deren Blätter verwenden? Die Blätter sind nämlich das ganze Jahr hindurch verfügbar und so bot sie der ausschließlich saisonalen Beschäftigung die Stirn! Es entstand ihr Unternehmen, in dem sie Teller und Schalen aus Areca-Palmenblättern produziert. Umweltfreundlich und wiederverwertbar. Und das Beste daran, ganzjährig produzierbar und erhältlich.

Archanas Geschichte klingt fast unglaublich. Sie ist eine Frau, die etwas Wunderbares geschafft hat, die ein ganzes Dorf angeheuert hat! Sage und schreibe 85 Arbeitsplätze hat sie für die Frauen in ihrem Dorf geschaffen. So lautete einer ihrer ersten Aufträge, 10.000 Teller für die Eröffnung eines örtlichen Tempels zu produzieren. Zusätzliche Schubkraft in der Wechselwirkung aus Angebot und Nachfrage verlieh ihr das zu der Zeit neu eingeführte Verbot von Kunststoff im Staat Karnataka. Mit ihrer nachhaltigen Geschäftsidee war sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und damit nicht genug. Die massive Nachfrage nach ihren Produkten zwang sie, auch die Palmenblätter in der weiteren Umgebung aufzukaufen. Ihr Ankauf erhöhte damit fast nebenbei die Einnahmen 50 lokaler Bauern. Wohlgemerkt ging es dabei um den Ankauf von Blättern, die vorher für den Abfall bestimmt waren, weil niemand Verwendung für sie gehabt hatte.

Archanas Story ist wahrlich eine Erfolgsgeschichte. Ihre Produkte haben nicht nur einen positiven Einfluss in ihren direkten Umgebung und in ganz Karnataka, mittlerweile reicht ihr Einfluss weit über Indiens Grenzen hinaus in die ganze Welt. In Zusammenarbeit mit einem lokalen Händler, der wiederum über Verbindungen zu Importeuren in den USA und Frankreich verfügt, verkauft Archana ihre biologisch abbaubaren, kompostierbaren Teller und Schalen nach Amerika und Europa, wo diese ebenso beliebt sind wie in Karnataka, wenn nicht sogar ein bisschen beliebter.

Während der letzten Monsun-Saison, brach ihr Lagerschuppen unter der Last des Regens zusammen. Ihr gesamter Lagerbestand an trocken gelagerten Areca-Palmenblätter wurden nass und waren für die Weiterverarbeitung unbrauchbar geworden. Der Regen vermochte zwar ihre Produktion für eine kurze Zeit anzuhalten aber die Leidenschaft, ihre Geschäfte trotz der widrigen Umstände weiter zu führen, konnte er nicht dauerhaft stoppen. Während ein neuer Lagerschuppen mit einem wasserdichten Dach gerade noch im Bau befindlich ist, leitet Archana ihre Geschäfte aus von einem gemieteten Raum im Haus ihrer Nachbarin. Archana hat Großes vollbracht. Die Überwindung aller Hindernisse, das Schaffen von Arbeitsplätzen für Frauen und das Ankurbeln der lokalen Wirtschaft hat Archana zu einem lokalen Vorbild gemacht. So wurde ihre Geschichte und die anderer Unternehmer erst kürzlich in einem Beitrag der ‚Global Post‘ erzählt.

Und wer weiß, vielleicht hatten auch Sie schon einmal einen von Archanas Tellern in Ihren Händen, ohne es zu wissen?