Going to School India

Wie ist es eigentlich, in Indien zur Schule zu gehen?

Diese Frage stellte Oliver Lisa, bevor diese ihre Reise nach Indien antrat. Das war vor mehr als zehn Jahren. Oliver war damals sieben und besuchte eine Schule in Großbritannien und Lisa, damals Olivers Lehrerin, versprach, es für ihn herauszufinden. So machte Lisa sich auf, die Reise ihres Lebens anzutreten. Im Gepäck hatte sie Olivers Frage.

Heute ist Indien ein Land der Super-Extreme wie vielleicht kein anderes, das war es schon immer, keine Frage. Und während sich auf der einen Seite die Mega-Cities wie Neu Delhi, Mumbai oder Bangalore mit ihren jeweils mehreren Millionen Einwohnern unaufhaltsam ihren Weg bahnen, die bekannten Wirtschaftszentren dieser Welt einzuholen, leben auf der anderen Seite viele Millionen Menschen in Armut. Die meisten von ihnen in ländlichen Gegenden des Subkontinents.

Doch zunächst zurück zu Lisa und Olivers Frage. Sie hatte damit begonnen, zu recherchieren und Schulen zu besuchen, um Olivers Frage wahrheitsgemäß beantworten zu können. Was Lisa bei ihren Recherchen vorfand, sah ungefähr so aus: unzureichende Versorgung mit Elektrizität, fehlende weibliche Lehrkräfte, (das trifft besonders die indischen Mädchen hart, denn in Indien ist es zum Teil so, dass die Mädchen auch nur von weiblichen Lehrkräften unterrichtet werden dürfen), unzumutbare hygienische Zustände und viele Missstände mehr. Lisa war erschüttert und fasste einen Entschluss: sie blieb in Indien und hat es sich seither zur Aufgabe gemacht, an diesen Zuständen etwas zu ändern. Und nur wenige Jahre später gründete Lisa ‚Going to School India‘, eine Antwort darauf, wie es auch sein kann, in Indien zur Schule zu gehen.

Um zu verstehen, worum es genau geht, muss man folgendes wissen. In Indien senden Eltern mit einkommensschwachem Hintergrund ihre Kinder zu Schule in dem Glauben, dass sie dort die Fähigkeiten und Werte erwerben, die sie benötigen, um erwerbstätige junge Erwachsene zu werden. Schule, so glauben Eltern, rüstet ihre Kindern mit den Fertigkeiten aus, die sie brauchen, um sich um sich selbst und ihre Familien kümmern zu können, wenn sie soweit sind, in Indiens aufstrebende Wirtschaft einzutreten. Ist dies nun uneingeschränkt möglich der Fall in Anbetracht der oben genannten Widrigkeiten?

Immer noch brechen in einigen ländlichen Gegenden bis zu 80 Prozent der Mädchen die Schule ab. Häufig geschieht dies nach der neunten Klasse. Mit anderen Worten: acht von zehn Mädchen kehren nach den Sommerferien nicht zur Schule zurück. Sie sind dann gerade einmal dreizehn oder vierzehn Jahre alt. Es stellt sich also die Frage, was man machen kann, um diese Mädchen dazu zu bewegen, die Schule nicht abzubrechen, sondern nach den großen Ferien zurück zu kommen und weiter zu lernen.

‚Going to School‘ India hat eine Antwort auf diese Frage gefunden und sie lautet: Geschichten! Geschichten inspirieren Kinder (nicht nur sie) und lassen sie an ihre Möglichkeiten und Fähigkeiten glauben. Einzigartig designte Bücher erzählen Geschichten von Helden, die die Schule nicht abgebrochen haben. Helden, die ihre Bildung eingefordert haben. Und Helden, die Fertigkeiten erlernt haben, die Indien im 21. Jahrhundert von ihnen fordert. Unternehmerische Lösungen für die Probleme ihrer Zeit. Fertigkeiten, mithilfe derer sie lernen, wie man ein Unternehmen gründet und wie man es erfolgreich und nachhaltig führt. Der Schlüssel ist die Kombination aus der Macht von Geschichten, die Fähigkeiten vermitteln, die junge, in Armut lebende Erwachsene heute am meisten brauchen. Kinder lernen unternehmerische Fähigkeiten in der Schule!

Mit dieser Antwort entstand ein Lehrplan, der zunächst 31 Bücher beinhaltet. Ein Buch pro Woche, verteilt über ein Jahr, denn soviel Wochen hat ein indisches Schuljahr. Jedes Buch vermittelt einen Unternehmer-Skill, sie reichen vom Erstellen eines Business-Plans, hin zu Marketing-Strategien, Zeitmanagement und der Bedeutung von Netzwerken. Die Kinder lernen eine Fertigkeit pro Woche, und um diese abzurunden und zu vertiefen, fertigen sie zu jeder Fertigkeit eine praktische Hausaufgabe an. Eingeführt wurde der Lehrplan im Jahr 2012 in Bihar, in Zusammenarbeit mit der Regierung des ärmsten Bundesstaates Indiens. Ein Meilenstein für ‚Going to School‘. Und das Beste daran: Ein Buch braucht keinen Strom und seine Bilder erreichen jedes Kind, weitestgehend unabhängig davon, ob es lesen oder schreiben kann.

Knapp 85.000 Kinder haben im Jahr 2012 in Bihar an dem Programm teilgenommen, die Ergebnisse ihrer Arbeit sind bis ins kleinste Detail festgehalten und ausgewertet worden. Mithilfe einer Eingangs- und einer Endbefragung sowie der detaillierten Auswertung der praktischen Projekte der Kinder lässt sich der Erfolg des Programms messen. Ein Beispiel: In der Eingangsbefragung wurde herausgefunden, dass mit 82 Prozent mehr Mädchen ein eigenes Geschäft gründen würden als Jungen, mit 75 Prozent. Einen ähnlichen Trend hat die Endbefragung gezeigt, in der 87 Prozent der Mädchen und 78 Prozent der Jungen sagten, dass sie gerne ein eigenes Geschäft gründen würden, mit dessen Hilfe ein Problem in ihrer Umgebung beseitigt werden könnte. Das bedeutet also, dass diese junge Menschen, wenn sie die Wahl treffen, die Welt zu einem besseren Platz hin verändern, in dem sie ein nachhaltiges Unternehmen gründen.

Mit ‚Going to School India‘ beweist Lisa Heydlauff und ihr Team immer wieder aufs Neue, dass es sich lohnt, die Schule nicht abzubrechen. Dass es sich lohnt, in Indien in die Schule zu gehen und Fertigkeiten zu lernen.

Begleiten Sie uns und ‚Going to School‘ auf einer wunderbaren Reise und bleiben Sie dabei, es lohnt sich!

Going to School stellt sich selber vor (leider nur auf Englisch verfügbar):